Einen Bürostuhl für große und kräftige Menschen auswählen: Warum der Neigungswinkel wichtiger ist als die maximale Belastbarkeit

Einen Bürostuhl für große und kräftige Menschen auswählen: Warum der Neigungswinkel wichtiger ist als die maximale Belastbarkeit

Jorden Hebenton

Wer nach einem Bürostuhl für große und kräftige Menschen sucht, stößt fast immer zuerst auf eine Zahl: die maximale Belastbarkeit.

Das ist natürlich verständlich. Wer größer oder schwerer ist als der Durchschnitt, muss schließlich wissen, ob ein Stuhl das eigene Gewicht sicher tragen kann. Bei der Suche nach einem sogenannten „Big and Tall“-Stuhl begegnet man deshalb schnell beeindruckenden Angaben – 300, 350, 400 Pfund oder sogar noch mehr.

Aber die maximale Belastbarkeit beantwortet eigentlich nur eine einzige Frage: Kann der Stuhl mein Gewicht tragen?

Sie sagt nichts darüber aus, ob der Stuhl wirklich zu deinem Körper passt, ob du auch nach einem langen Arbeitstag noch bequem sitzt oder ob du problemlos deine Sitzposition verändern kannst, ohne ständig gegen die Mechanik des Stuhls arbeiten zu müssen.

Sobald also klar ist, dass ein Stuhl dein Gewicht sicher tragen kann, lohnt es sich, auf eine andere Angabe viel genauer zu schauen: den Neigungsbereich der Rückenlehne.

Gerade für große und kräftige Menschen kann die Art und Weise, wie sich ein Stuhl bewegt, genauso wichtig sein wie die Frage, wie viel Gewicht er aushält. Genau davon ist LiberNovo bei der Entwicklung seiner Maxis-Serie für große und kräftige Nutzer ausgegangen.

„Big and Tall“ sollte mehr bedeuten als nur eine stärkere Gasdruckfeder

Viele stellen sich unter einem Big-and-Tall-Bürostuhl einfach einen normalen Bürostuhl vor, der etwas größer und stabiler gebaut wurde.

Breitere Sitzfläche, verstärktes Fußkreuz, höhere Belastbarkeit – fertig ist der Big-and-Tall-Stuhl?

Ganz so einfach ist es nicht.

Ein wirklich ergonomischer Büro- oder Gamingstuhl muss zu den Proportionen der Person passen, die darauf sitzt. Für große Menschen bedeutet das zum Beispiel eine ausreichend tiefe Sitzfläche, damit längere Oberschenkel gut unterstützt werden. Die Rückenlehne muss die richtigen Bereiche von Rücken und Schultern erreichen, und auch die Kopfstütze braucht genügend Verstellmöglichkeiten, damit sie tatsächlich Kopf und Nacken stützt.

Für kräftiger gebaute Menschen spielt außerdem die Breite eine wichtige Rolle. Ein Stuhl kann technisch problemlos 180 Kilogramm tragen und sich trotzdem an Hüften, Schultern oder Armen viel zu eng anfühlen.

Und dann kommt noch die Bewegungsfreiheit dazu.

Ein Stuhl, auf dem man viele Stunden verbringt, sollte den Körper nicht nur dann unterstützen, wenn man kerzengerade sitzt. Er sollte auch bequem bleiben, wenn man sich zurücklehnt, die Position verändert, konzentriert arbeitet, telefoniert oder sich zwischen zwei Aufgaben kurz entspannt.



Warum die Neigefunktion bei einem langen Arbeitstag so wichtig ist

Niemand sitzt acht Stunden lang völlig still – und das wäre auch gar nicht empfehlenswert.

Selbst bei einer ergonomisch guten Sitzhaltung kann es unangenehm werden, über längere Zeit in derselben Position zu bleiben. Rücken, Nacken und Hüften können anfangen zu schmerzen, die Knie werden steif und irgendwann tut schlicht der Hintern weh.

Deshalb verändern wir unsere Haltung ganz automatisch: Wir verlagern unser Gewicht, lehnen uns nach vorne oder hinten und strecken uns zwischendurch.

Eine verstellbare Rückenlehne gibt dir eine weitere Möglichkeit, deine Sitzposition zu verändern. Wenn du von einer aufrechten Arbeitsposition in eine entspanntere Haltung wechselst, werden Sitzfläche und Rückenlehne anders belastet. Gerade an langen Tagen am Schreibtisch kann das eine echte Erleichterung sein.

Für große oder schwere Nutzer ist allerdings nicht nur entscheidend, wie weit sich ein Stuhl zurücklehnen lässt. Mindestens genauso wichtig ist, wie kontrolliert diese Bewegung abläuft.

Ein Mechanismus, der sich für eine leichte Person angenehm und geschmeidig anfühlt, kann sich unter deutlich höherer Belastung ganz anders verhalten. Ist der Widerstand zu gering, kann das Zurücklehnen plötzlich und unsicher wirken. Ist er zu stark, wird jede Bewegung nach hinten fast schon zum Workout.

Ideal ist deshalb eine kontrollierte Bewegung, bei der der Körper beim Zurücklehnen kontinuierlich unterstützt wird.

Nicht nur auf den maximalen Neigungswinkel schauen

Mehr ist auch beim Neigungswinkel nicht automatisch besser.

Ein Stuhl mit einem besonders großen maximalen Winkel klingt auf dem Papier vielleicht beeindruckend. Aber eigentlich solltest du dir noch ein paar andere Fragen stellen:

Wie viele wirklich brauchbare Positionen gibt es zwischen aufrechtem Sitzen und maximaler Neigung? Lassen sich diese Positionen sicher feststellen? Wie gleichmäßig bewegt sich der Stuhl zwischen ihnen? Und unterstützt die Rückenlehne deinen Körper auch dann noch, wenn du deine Position veränderst?

Genau diese Details entscheiden darüber, ob du die Neigefunktion tatsächlich regelmäßig nutzt – oder ob sie nur ein Feature ist, das du einmal ausprobierst und danach vergisst.

Schauen wir uns zum Beispiel einige Stühle an, die häufig für größere und kräftigere Nutzer infrage kommen.

Der AndaSeat Kaiser 4 XL wird laut AndaSeat für Personen zwischen 5 Fuß 11 Zoll und 6 Fuß 11 Zoll sowie bis zu 395 Pfund empfohlen. Seine Rückenlehne lässt sich von 90 bis 135 Grad neigen, zusätzlich gibt es einen Schaukelbereich von 15 Grad.

Der Secretlab TITAN Evo XL ist für Nutzer bis zu 205 Zentimeter Körpergröße und 180 Kilogramm Gewicht ausgelegt. Er bietet eine Rückenlehnenneigung von bis zu 165 Grad sowie einen unabhängig arbeitenden Multi-Tilt-Mechanismus.

Der Hinomi H2 Pro wiederum ist für Nutzer unterschiedlicher Körpergrößen konzipiert und nicht ausschließlich als Big-and-Tall-Stuhl positioniert. Er unterstützt laut Hersteller Personen von 5 Fuß 1 Zoll bis 6 Fuß 6 Zoll und bis zu 150 Kilogramm. Die Rückenlehne lässt sich bis zu 143 Grad neigen. Dazu kommen vier Widerstandsstufen und die Möglichkeit, den Neigungswinkel zu arretieren.

Diese Beispiele zeigen ziemlich deutlich: Nur die maximale Belastbarkeit miteinander zu vergleichen, greift zu kurz. Stühle für größere und schwerere Menschen können sich bei Bewegung, Neigung und Unterstützung erheblich unterscheiden.

LiberNovo Maxis: Eine Neigefunktion, die für größere Körper entwickelt wurde

Genau hier verfolgt die LiberNovo-Maxis-Serie einen etwas anderen Ansatz.

Statt einfach die Abmessungen und die Belastbarkeit eines vorhandenen Stuhls zu erhöhen, wurde der Maxis gezielt für die Proportionen größerer und kräftigerer Menschen entwickelt.

Die Serie ist für Nutzer mit einer Körpergröße von ungefähr 5 Fuß 10 Zoll bis 6 Fuß 7 Zoll und einem maximalen Gewicht von 399 Pfund ausgelegt. Dazu kommen eine 52 Zentimeter tiefe Sitzfläche, eine breitere Rückenlehne, ein größerer Verstellbereich der Kopfstütze und Armlehnen, deren Breite sich zwischen 15,7 und 23,6 Zoll einstellen lässt.

Besonders interessant ist aber das kontrollierte Neigesystem.

Der Maxis bewegt sich in einem Bereich von 105 bis 160 Grad und bietet innerhalb dieses Bereichs fünf verschiedene Neigungspositionen. LiberNovo setzt dabei auf ein progressives System mit sechs Federn. Es soll beim Zurücklehnen einen kontrollierten Widerstand erzeugen und verhindern, dass die Rückenlehne plötzlich nach hinten wegkippt.

Und genau dieser Unterschied ist wichtig.

Das Ziel besteht nicht einfach darin, dass sich eine größere oder schwerere Person besonders weit zurücklehnen kann. Die gesamte Bewegung soll sich auch bei einem größeren Körper stabil, kontrolliert und unterstützend anfühlen.

Fünf Positionen für fünf verschiedene Arten zu sitzen

Überleg einmal, wie sich deine Sitzhaltung im Laufe eines normalen Arbeitstags verändert.

Gerade arbeitest du konzentriert an einer Tabelle oder schreibst einen Bericht. Eine halbe Stunde später sitzt du in einem Video-Call. Danach liest du vielleicht ein längeres Dokument, schaust dir eine Präsentation an oder lehnst dich zwischen zwei Meetings einfach mal fünf Minuten zurück.

Für all diese Situationen gibt es nicht den einen perfekten Sitzwinkel.

Genau darin liegt der Vorteil mehrerer sinnvoll nutzbarer Positionen zwischen 105 und 160 Grad. Statt die Neigefunktion als reine Entweder-oder-Funktion zu betrachten – entweder aufrecht oder komplett zurückgelehnt – bietet der Maxis unterschiedliche Positionen für konzentriertes Arbeiten und Entspannung.

Am aufrechteren Ende des Bereichs eignet sich der Stuhl für fokussierte Schreibtischarbeit. Weiter zurückgelehnt wird die Haltung entspannter, zum Beispiel für Telefonate, zum Lesen oder für weniger intensive Aufgaben. Und bei maximalen 160 Grad kannst du dich richtig zurücklehnen und eine Pause von der typischen aufrechten Schreibtischhaltung machen.

Entscheidend ist aber vor allem das, was zwischen diesen beiden Extremen passiert.

Mit fünf fest definierten Positionen musst du dich nicht einfach zwischen „Arbeiten“ und „Zurücklehnen“ entscheiden. Du kannst deine Haltung im Laufe des Tages immer wieder verändern und wirst dabei weiterhin vom Stuhl unterstützt.

Eine Rückenlehne, die sich mit dir bewegt

Die Neigefunktion sollte außerdem nie unabhängig von der Rückenunterstützung betrachtet werden.

Beim Maxis kommen LiberNovos Bionic FlexFit Backrest und das Dynamic Support System zum Einsatz. Beide sollen darauf reagieren, wenn der Nutzer seine Position verändert, statt den Rücken nur in einem einzigen festen Winkel zu unterstützen.

Dadurch wird die Neigefunktion Teil eines umfassenderen ergonomischen Systems.

Wenn du aufrecht sitzt, unterstützt dich die Rückenlehne in dieser Position. Lehnst du dich zurück, soll sich diese Unterstützung mit dir bewegen. Zusammen mit dem progressiven Neigemechanismus entsteht so ein Stuhl, der auf dynamisches Sitzen ausgelegt ist – statt davon auszugehen, dass es eine einzige „perfekte“ Sitzposition gibt, die man den ganzen Tag beibehalten sollte.

Gerade für größere und schwerere Menschen ist dieser Ansatz besonders relevant. Ein größerer Körper braucht schließlich nicht nur mehr Platz. Auch die Mechanik des Stuhls muss mit der zusätzlichen Belastung und den größeren Körperproportionen zurechtkommen.

Die Maxis-Serie: Manual, Electric oder Airflow

Die grundlegende Big-and-Tall-Konstruktion und das kontrollierte Neigesystem finden sich in allen drei Varianten des Maxis.

Der Maxis Manual bietet das Dynamic Support System, die Bionic FlexFit-Rückenlehne, eine manuell einstellbare Lendenwirbelstütze und den kontrollierten Neigemechanismus mit fünf Positionen.

Der Maxis Electric ergänzt das Ganze um eine elektrisch einstellbare Lendenwirbelstütze und LiberNovos motorisierte Stretch-Funktion für den Lendenbereich. Damit lässt sich die Unterstützung während längerer Sitzphasen noch stärker verändern und individuell anpassen.

Der Maxis Airflow baut wiederum auf dem Electric-Modell auf und ergänzt die Active AirFlow-Sitzbelüftung. Sie soll Luft durch das Sitzpolster bewegen – besonders interessant für alle, denen gepolsterte Stühle bei langen Arbeits- oder Gaming-Sessions schnell zu warm werden.

Die Entscheidung zwischen den drei Modellen bedeutet also nicht, dass du bei einer Variante auf die grundlegende Big-and-Tall-Konstruktion verzichten musst. Die Proportionen, die Belastbarkeit von 399 Pfund und die kontrollierte Neigefunktion gehören bei allen Modellen zum Kernkonzept.

Die eigentliche Frage ist vielmehr, wie viel zusätzliche Einstellbarkeit und Komforttechnik du möchtest.

Worauf solltest du bei einem Big-and-Tall-Bürostuhl achten?

Natürlich ist die maximale Belastbarkeit wichtig. Ist ein Stuhl nicht für dein Gewicht zugelassen, sollte er gar nicht erst auf deiner Auswahlliste stehen.

Aber sieh diese Zahl als Ausgangspunkt – nicht als Definition eines guten Big-and-Tall-Stuhls.

Sobald klar ist, dass der Stuhl dein Gewicht sicher tragen kann, solltest du dir anschauen, wie gut er zu deinem Körper passt und wie er sich bewegt.

Achte auf Tiefe und Breite der Sitzfläche. Schau dir Höhe und Breite der Rückenlehne an. Prüfe, ob sich die Kopfstütze weit genug an deine Körpergröße anpassen lässt und ob die Armlehnen weit genug auseinanderstehen können, damit deine Schultern bequem Platz haben.

Und schau dir die Neigemechanik besonders genau an.

Wie weit kannst du dich zurücklehnen? Wie viele tatsächlich nutzbare Positionen gibt es? Lassen sie sich sicher feststellen? Bleibt die Bewegung auch unter höherer Belastung kontrolliert? Und funktionieren die Lenden- und Rückenunterstützung weiterhin, wenn du deine Sitzposition veränderst?

Das sind die Eigenschaften, die du nach mehreren Stunden im Stuhl wahrscheinlich deutlich stärker bemerkst als irgendeine beeindruckende Zahl im Datenblatt.

Die Belastbarkeit sagt dir, ob du darauf sitzen kannst. Die Neigefunktion sagt dir, wie du darauf sitzen kannst.

Jahrelang wurde die Kategorie der Big-and-Tall-Bürostühle vor allem von immer höheren Belastbarkeitswerten bestimmt.

Aber einen größeren Körper richtig zu unterstützen bedeutet mehr, als einfach einen Stuhl zu bauen, der nicht kaputtgeht.

Ein wirklich bequemer Bürostuhl für große und kräftige Menschen braucht passende Proportionen, ausreichend Verstellmöglichkeiten und vor allem die Fähigkeit, Bewegungen während des gesamten Tages zu unterstützen.

Genau deshalb ist das Neigesystem des LiberNovo Maxis so interessant. Ein Bereich von 105 bis 160 Grad, fünf definierte Neigungspositionen und ein kontrollierter progressiver Mechanismus sorgen dafür, dass die Neigefunktion nicht nur für das gelegentliche Zurücklehnen am Nachmittag gedacht ist. Sie ist ein fester Bestandteil davon, wie der Stuhl genutzt werden soll.

Denn der beste Big-and-Tall-Bürostuhl ist nicht unbedingt derjenige mit der höchsten Zahl auf dem Datenblatt.

Es ist der Stuhl, der der Person, die darauf sitzt, genügend Platz gibt – und genügend Freiheit, sich zu bewegen.